Zukunftsfähigkeit der IT-Organisation- Auditprozess

Ein Audit bringt immer eine gewisse Unruhe in die Organisation. Die Aufgaben der Auditoren und die Ziele des Audits sind meist nur den Auftraggebern im Unternehmen im Detail bekannt. Auch wenn es eine erste allgemeine Information über Zweck und Ablauf des Audits durch IT- und Geschäftsführung geben sollte, bleiben Details für die weiteren Personengruppen erst mal nicht greifbar.
Meiner Meinung nach lässt sich diese Situation durch Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe vermeiden. Deshalb erkläre ich den Ablauf des Audits in fünf Schritten.

Schritt 1: Vorbereitung
Stakeholder identifizieren, Datenbasis sichten

Die Stakeholder der Disziplinen in den Bereichen Management, Entwicklung, Betrieb, und Architektur werden anhand einen Interviewplans eingeladen. Grundlage ist ein auf die Disziplin abgestimmter Fragenkatalog. Er wird in einem zeitlich vertretbaren Abstand vor dem Interview dem Stakeholder bereitgestellt. So kann sich der Stakeholder bereits im Vorfeld mit den Themen auseinandersetzen und ggfls. bereits erste Informationen einholen.

Gleichzeitig wird die vorhandene Datenbasis gesichtet. Dazu zahlen u.a. Architektur- und Prozessdokumentation, sowie Incidents und Service Request in einem festzulegenden Zeitraum.

Schritt 2: Interviews & Analyse
Reifegradmodell, KPI’s und qualitative Bewertung

Im Interview wird der Fragenkatalog behandelt, erste Punke geklärt und weitere Aufgaben besprochen. U.U. wird ein weitere Termin, wenn notwendig mit anderen Personen angesetzt. Wenn notwendig, wird es weitere Iterationen geben.

Die Antworten und die bereitgestellten KPI’s werden anhand der unten stehenden Modelle ausgewertet und in den Gesamtkontext integriert.

Die Ergebnisse wird anhand des Organisations-Reifegrad Modells Punkt für Punkt mit dem / den Stakeholder bewertet. Daraus ergibt sich eine Bewertungs-Matrix.
Die Fragen zielen in der Regel auf den Kernprozess der Disziplin, auf das Rollenschema (RACI) und die Schnittstellen und Prozesse ab.

Organisations– Reifegradmodell

Mit dem Reifegrad wird gemeinhin die Fähigkeit einer Organisation beschrieben, eine bestimmte Methode, Handlungs- oder Führungsmodell erfolgreich einzusetzen. Am bekanntesten ist die Verwendung des sog. Reifegrads im „Capability Maturity Model“ (CMM) des Software Engineering Institutes. Darüber hinaus ist der Begriff Reifegrad auch im Zusammenhang mit Risikomanagement, Qualitätsmanagement und anderen Bereichen zu finden. Weitgehend durchgesetzt hat sich eine sechsstufige Skala zur Bestimmung des Reifegrads.

Reifegradmodell
StufeStatusBeschreibung
0 ./.Keine Fähigkeit vorhanden
1Initialindividuelle, nicht in der Organisation verankerte Fähigkeiten, die nicht dokumentiert und nicht wiederholbar sind.
2Wiederholbardokumentierte Standards für den betrachteten Bereich (Grob-Konzept)
3DefiniertAufbau einer Wissens- und Erfahrungsbasis und der Implementierung von messbaren Kennzahlen in den betrachteten Prozessen. (Feinkonzept, SOP’s, Standard-Geschäftsprozesse)
4Verwaltetbedeutet eine Orientierung der Organisation an Best Practices aus Benchmarking mit anderen Organisationen. (KPI’s)
5 Die Organisation kann aus sich selbst heraus einen kontinuierlichen Lern- und Verbesserungsprozess betreiben. (effizient)

Vergl.: Fähigkeitsreifemodell – Wikipedia, Capability Maturity Model for Software (Version 1.1)

Key Performance Indicator

Als zweiten Faktor werden KPI’s zur quantitativen Bewertung einer Disziplin herangezogen.  Beispiele zu den qualitativen Erörterungen und den KPI‘ werden im zweiten Teil beschrieben. KPI’s und Fragenkatalog werden weiter unten beschrieben.

KPI‘s werden gerne mit der SMART-Methode (Specific, Measurable, Achievable, Reasonable, Time-Bound) ermittelt. Sie unterstützt die eindeutige Definition von Zielen im Rahmen einer Zielvereinbarung. KPI’s müssen die Ziele des Unternehmens widerspiegeln. Die Zusammen-stellung der KPI’s ist für jede Zielgruppe in der Organisation einzigartig.

Dabei ist es für den Erfolg des Audits existentiell, das KPI’s gemäß dem Reifegrad der Organisation und Ihrer Teile eingesetzt werden. So ist es sinnlos, die Erstlösungsrate des Helpdesks zu ermitteln, wenn es keine vollständige Implementierung der Lösungskorridore in Form von SOP’s dazu gibt.

Vergl.: Key-Performance-Indicator – Wikipedia, Organisationshandbuch – SMART-Regel / SMART-Methode

Schritt 3: Bewertung
Zusammenführung, Scoring und Visualisierung im Dashboard

Das Dashboard nimmt die Antworten auf alle qualitativen Fragen und KPI’s der Disziplinen auf. Dabei ist der Reifegrad Grundlage für alle qualitativen Fragen. Daraus wird ein Mittelwert ermittelt. Er stellt einen Indikator des Organisations- Reifegrades für eine Disziplin dar. Eine einfache Art der Darstellung eines Dashboards ist eine entsprechende Excel Tabelle. Sie hat während des Audits den Vorteil, der schnellen und individuellen Anpassung an die Gegebenheiten des Audits.

Dashboard (MS-Excel)

Die ermittelten Werte im Dashboard werden Industriestandards und / oder Benchmarking gegenübergestellt. Damit wird die Leistungsfähigkeit der IT-Organisation im Verhältnis zu anderen Unternehmen der Branche, Best Practice und Defacto Standards ermittelt.
Beispiele:

Beispiel 1: „IT-Ausgaben zu Umsatz“

Das Verhältnis von Umsatz zu Ausgaben für die Informationstechnologie im Unternehmen liegt in der Dienstleistungsbranche (z.B. Handel) bei einem mittleren Wert für 2024/2025 von 3-6%,

Beeinflussende Faktoren

Wenn ein Immobilien-Unternehmen stark auf digitale Prozesse, KI-gestützte Heizungssteuerung und automatisierte Abrechnung setzt, ist ein IT-Kostenanteil im oberen Bereich des Benchmarks (>4 %) realistisch und plausibel.

BrancheEinige Branchen, (z.B. Technologie), haben tendenziell höhere IT-Ausgaben.
Unternehmensgröße größere Unternehmen haben oft höhere IT-Ausgaben, da sie mehr Mitarbeiter und eine komplexere IT-Infrastruktur haben.
Organisations- ReifegradUnternehmen, die sich in einer frühen Phase der Digitalisierung befinden, investieren oft mehr in IT, um ihre Prozesse zu optimieren und neue Technologien einzuführen.
IT Ausgaben zu Umsatz -beeinflussende Faktoren

Beispiel 2: „Ausgabenverteilung Run-Grow-Transform (RGT)

Laut einer Analyse von Confare und Metrics.biz zeigt sich 2025 folgende Verteilung:

Run (Betrieb)60&Betrieb bestehender IT-Systeme, Infrastruktur, Support
Grow (Optimierung)25%Verbesserung bestehender Prozesse, Automatisierung, Effizienzsteigerung
Transform (Innovation)15%Neue digitale Geschäftsmodelle, disruptive Technologien, KI, Plattformen

Der Trend in 2025: Es findet eine Verschiebung von „Grow“ zu „Transform“ statt. Unternehmen investieren zunehmend in digitale Transformation, insbesondere in KI, Cloud und Plattformstrategien. Gleichzeitig bleibt der Run-Anteil hoch, da viele Unternehmen noch Legacy-Systeme betreiben.

Relevanz
Für Dienstleistungsunternehmen, das stark auf digitale Verbrauchserfassung, Smart Metering etc. setzt, wird der Transform-Anteil über dem Durchschnitt liegen – z.B. bei 20% oder mehr, wenn aktiv in neue digitale Services investiert wird.

Schritt 5: Ergebnispräsentation
Gap- Analyse, Handlungsempfehlungen, Priorisierung,

Es ist ratsam, die Ergebnisse des Audits allen beteiligten Personen zielgruppengerecht darzulegen. Das erhöht die Transparenz und vereinfacht die anschließende Arbeit.

Die Aufarbeitung der Ergebnisse in den Disziplinen (Gap-Analyse) werden durch entsprechende Handlungsempfehlungen in eine sinnvolle Reihenfolge (Action-List) gebracht. Es werden für jede Handlungsempfehlung Aufwände (mit möglichen Abweichungen) ermittelt und Nutzen spezifiziert.

PrioritätDisziplinGapHandlungsempfehlungAufwand (PT)NutzenAbhängigkeiten
1-x
Action-List


Die Begriffe der Action-List haben folgende Bedeutungen.

AttributBeschreibung
PrioritätDie Priorität hängt von der Wichtigkeit, der Dringlichkeit, den technischen. und organisatorischen Abhängigkeiten sowie dem verfügbaren Gesamtbudget ab.
Die Priorität wird vom Auditor vorgeschlagen,
Die Stakeholder entscheiden
aber letztendlich.
DisziplinDie Disziplinen sind in die Kategorien Management, Entwicklung, Betrieb, und
Architektur gegliedert. Eine genaue Bestimmung der Disziplinen sind von der Situation der IT-Organisation abhängig.
GapBeschreibung der Schwachstelle / Gap
HandlungsempfehlungBeschreibung einer Maßnahme / Lösungsvariante
Aufwandgeschätzter Aufwand in PT mit einem Abweichungskorridor (-+%), da zum Zeitpunkt der Ermittlung nicht alle Rahmenbedingungen bekannt sind.
NutzenNutzen der Maßnahme
AbhängigjkeitenBeschreibung der Maßnahme von anderen Maßnahmen oder Voraussetzungen
Attributbeschreibungen der Action-List

Teil1: Einführung in die Audit Thematik

Teil3: Inhalt des Audits entlang der IT Disziplinen

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